Zum Schämen | BILDblog

Wer neutral über die „Bild“-Zeitung nachdenke, schreibt Hansen, müsse zugeben, dass sie auch ihre guten Seiten hat. Und nennt dafür folgendes Beispiel:

 

Ich erinnere mich zum Beispiel an die Reaktion der Presse, als 1992 in Rostock-Lichtenhagen die Ausschreitungen gegen Ausländer losbrachen. Die meisten seriösen Zeitungen berichteten mehr oder weniger sachlich und neutral darüber. Bild aber druckte das Foto des „hässlichen Deutschen“ ab: eines besoffenen Passanten, der in die Hose gepinkelt hatte und den Hitlergruß zeigt. Die Überschrift lautete, wenn ich mich nicht irre: „Deutschland, schäm dich.“ Ich fand die Überschrift passend.

 

Hansens Erinnerung ist nicht so gut. Ja, die Schlagzeile lautete „Ihr müßt euch schämen“, aber abgebildet war nicht der besoffene Passant mit Hitlergruß. Abgebildet waren: Helmut Kohl, Oskar Lafontaine, Björn Engholm und weitere führende Politiker von CDU/CSU und SPD. Und über der Schlagzeile stand: „Deutsche sauer auf Bonner Politiker“.

 

Schämen sollten sich laut „Bild“-Schlagzeile vom 27. August 1992 für die Ausschreitungen nicht die Gewalttäter, sondern die Politiker, weil die immer noch nicht das Asylrecht eingeschränkt hatten, wie es die „Bild“-Zeitung und viele andere Medien schon lange forderten. […]

Stellvertretender Chefredakteur und verantwortlich für die Politik-Berichterstattung der „Bild“-Zeitung im August 1992 war übrigens: Kai Diekmann.

via

s.a.: KOLUMNE WIR AMIS

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